Mara

Porträt eines Cellos

Feature von Carolin Pirich

Sendemanuskript. DLR / SWR / Schweizer Radio 2015

Besetzung:
Carolin Pirich
Eva Meier
David Fischer
Ulrich Lipka

Regie: Musik

1. O-Ton Collage

Christian Poltera
Jeder Mensch hat eine eigene Stimme. Man wird auch einen tollen Sänger ziemlich schnell erkennen. Und ich kenne das Cello ziemlich gut, das Cello hat so viel Eigencharakter im Klang, dass ich es erkennen würde.
Annette Otterstedt
Was ich ausmachen kann ist eine sehr gleichmäßige Jahresringverteilung an der Decke, sehr charakteristisch dieser Ausweich, daran würde ich es immer wieder erkennen, dass hier die Jahresringe ein bisschen verzerrt sind.

Regie: Musik

Christian Poltera (8:00): Wenn jemand das klauen will, dann ist das schon möglich. Aber wenn jemand das Cello verkaufen will, was soll er damit machen? Das Cello kennt man. .. Sofort gehen die Alarmglocken los, das ist einfach zu bekannt. Wie bei einem Kunstwerk! Wenn Sie einen Picasso klauen, und es an ein Museum verkaufen, dann kommt die Polizei.

Regie: Musik

Zitatorin (Mara-Stimme)
„Ich darf mich vorstellen? Mit Vaternamen heiße ich Stradivari. Ich bin 1711 in Italien, in Cremona, in der Werkstatt meines Meisters Antonio Stradivari zur Welt gekommen und – was soll ich machen? – eigentlich seit dem Tag meiner Geburt berühmt.“

Autorin 1
Ein Cello aus der Werkstatt von Antonio Stradivari. Und hier Romanfigur des Schriftstellers Wolf Wondratschek.

Regie: Musik
Zitatorin (Mara-Stimme) 2
„Dafür kann ich nichts. Ich hatte Glück, ich hatte einen Namen und als Spitzname (oder Adelstitel, ganz wie sie wollen) bald – und bis heute – noch einen. Mara. Die Welt nennt mich Mara. The Mara. …“

Zitator: 1
Mara. Porträt eines Cellos. Ein Feature von Carolin Pirich.

Regie: Musik

Sprecher
Mara. Jahrgang 1711, Herkunftsort: Cremona
Maße: 757 mm, 340,5, 233, 437, 405 mm
Holzdecke: Fichte. Boden: Ahorn.
Farbe: rötlich braun.
Charakteristische Flammung am Korpus.
Wasserschaden 1963, aufgelöst in Einzelteile
Zustand heute: als wäre nichts geschehen.
Letzter zu erfahrender Verkaufswert: 6 Millionen US-Dollar
Annäherungswert – 12 Millionen US-Dollar – entspricht Angebotswert für ein ähnliches Cello im Jahr 2014.

Regie: Poltera Spielt „live“- (anspielen)

OT 2 Christian Poltera
Dieses Cello hat eine unheimliche Klarheit im Klang und auch etwas Schwereloses, Schwebendes.

Autorin 2
Als Christian Poltéra in den 90er Jahren am Mozarteum in Salzburg studierte, hing in seiner WG ein Poster an der Wand, darauf das Mara. Ein Cello, drapiert wie anderswo ein PinUp Girl.
Begehrt, aber unerreichbar.

OT 3 Poltéra
(spielt Ton an)
Da muss ich vielleicht noch dazu sagen, dass so ein besonderes Instrument nicht so gut zum Tragen kommt in so einem Zimmer, sondern, das ist das Verrückte, Unerklärliche manchmal bei tollen Stradivaris, dass man das Gefühl hat, dass man nicht den schönsten, intensivsten Klang erzeugt und manches andere Instrument in der Nähe viel besser klingt. Und dann geht man in den Saal und füllt den ganzen Saal mit Klang.

Regie: Poltera Spielt „live“-

OT 4 Poltéra
Bei diesem Cello geht es mir so, wenn ich es aus der Distanz höre, dann ist es nicht so, als hörte ich den Klang direkt vor mir, sondern der Klang ist überall. Das kann ich nicht erklären. Bei anderen tollen Instrumenten kann ich noch sagen, woher der Klang kommt. Aber bei Stradivari entsteht so eine Klangwolke. Das ist sehr faszinierend.

Regie: Live-Musik und Autoren-Text ausblenden

Autorin 3
Heute ist Christian Poltéra 38 Jahre alt, ein angesehener Cellist und seit Oktober 2012 der neue Partner des Mara. Es liegt neben ihm, auf der dünnen Bettdecke eines schlichten Berliner Hotelzimmers. Poltéra dreht den Korpus zum Fenster, damit Licht in eins der f-Löcher fällt.

OT 5 Poltera
Ich weiß nicht ob man das sehen kann, das Etikett… am Boden, je nach Lichteinfall.

Autorin 4
Poltera kippt den Korpus. Da, der Zettel, der das Instrument millionenschwer macht.

Zitatorin
Antonio Stradivarius Cremonensis 1711 faciebat.

Autorin 5
Christian Poltera ist Schweizer, ein großgewachsener Mann, Poloshirt-Typ, selbstbewusst, aber leise. Schwärmen ist nicht sein Ding, aber nach einer Weile mit dem Cello im kargen Hotelzimmer kann er offenbar nicht anders.

OT 6
Besonders schön bei dem Cello ist die Rückseite. Er hatte wirklich das schönste Holz zur Verfügung. Wenn man jetzt anfängt, Instrumente auch optisch zu vergleichen, sieht man die Perfektion, mit der er gearbeitet hat. Die schöne Maserung, der Lack, das sieht man alles.

Autorin 6
Die Schnecke am oberen Ende: einzigartig. Christian Poltera kann sich gut vorstellen, dass es „verdammt schwer“ sei…

OT 7
… so eine schöne Schnecke hinzubekommen, mit den damaligen Werkzeugen auch noch. Und auch heute noch, diese Ästhetik davon. Es wirkt unglaublich schön, und doch ist es nicht ganz symmetrisch.

Autorin 7
In einer Aktentasche trägt Christian Poltera die Instrumentenpapiere bei sich, um das Mara-Cello auf seinen Konzertreisen ausweisen zu können. Fotos von Details, im Profil, ganzkörper, frontal von vorne, von hinten. Auch eine Kopie des Leihvertrags trägt er bei sich. Sicher ist sicher.

OT 8 Poltera
Ich bin der Besitzer, aber nicht der Eigentümer. Großer Unterschied in dem Fall.

Autorin 8
Das Mara ist eines der drei weltberühmten Celli, die 1711 auf der Werkbank Antonio Stradivaris lagen. Wie praktisch alle Instrumente Stradivaris tragen sie Namen: Das „Romberg“; das „Duport“, jahrelang gespielt von Msistislaw Rostropowitsch; und das „Mara“. Alle drei Celli stammen aus der so genannten Goldenen Periode des Geigenbaumeisters, dessen Streichinstrumente bis heute Kult sind, Kunstwerk, Mythos. Investment.

OT 9 Poltéra
Nach 1700 hat Stradivari wirklich die perfekte Form gefunden, die Instrumente wurden besser spielbar, hatten eine bessere Strahlkraft. (12:30) Sie sind einfach kräftiger im Klang und spielen sich auch leichter. Das ist auch Stradivari-typisch und wird immer wieder kopiert. Ich habe gerade einen Anruf bekommen von einem Geigenbauer, der das Cello sehen möchte, weil er es kopieren möchte. Da gibt es immer mehr Technologien: 3D und Lackanalysen und alles mögliche wird probiert. Als Ideal wird immer noch das angesehen. Auch Holzdichte und Verarbeitungen, das ist immer noch unübertroffen, was Stradivari da gemacht hat.

Musik – Cello_Solo
Zitatorin – Mara-Stimme 4
„Ist das Dein Verdienst, Antonio? Oder Deine Schuld? Was steckt in Deinen Instrumenten, was niemand sehen, niemand finden, niemand nachahmen kann?“
Musik – Cello_Solo (wie von fern, mgw. Shigeru Umebayashi, Yumeji’s theme)

Autorin 9
Mara. Allein der Name. Man könnte sich hübsche Geschichten vorstellen, weshalb das Cello so heißt. Aber – so lautete schlicht der Nachname einer seiner Besitzer: einem wohl mäßig begabten, dafür recht aufbrausenden Musiker namens Giovanni Mara. Er spielte es im Königlichen Orchester Potsdam. Schillernder als er war seine Frau, die Sängerin Elizabeth Schmöhling. Sie machte ihn und sein Instrument so berühmt, dass es nicht nur Mozart 1780 in einem Brief aus München an seinen Vater erwähnt, sondern auch Goethe in seinen Gesprächen. Und was diese beiden bemerken, ist der Kulturnation heilig. Um 1808 wird das Mara für 100 Pfund verkauft. Als es kurze Zeit später wieder den Besitzer wechselt, ist sein Wert bereits um die Hälfte gestiegen.

Regie: Musik –

Ein Mythos ist das Mara also schon bald nach seiner Entstehung.
Zur Legende wird es in der Nacht des 12. Juli 1963, als der Musiker Amadeo Baldovino in Montevideo die Fähre nach Buenos Aires besteigt.

Zitator – Amadeo Baldovino 1
(Regie: Englisches Zitat – Filter)
„At Montevideo on the morning of the 12th July 1963 there was a fog which grounded all air traffic….

Montevideo, am Morgen des 12. Juli 1963. Nebel hielt den gesamten Luftverkehr am Boden. Seit 7 Uhr warteten wir auf eine Möglichkeit, nach Buenos Aires aufzubrechen, von dort aus sollte es nach Rosario weitergehen, wo wir ein Konzert geben sollten.“

Autorin 10
Amadeo Baldovino, Cellist im weltbekannten Trio di Trieste. Er rekapituliert in einem Brief eine Konzertreise in Südamerika. Der Brief war vermutlich an die Instrumenten-Versicherung oder an die Restauratoren von Hill in London adressiert. Die einzige Möglichkeit an diesem 12. Juli 1963 pünktlich nach Buenos Aires zu gelangen: die Nachtfähre über den Rio de la Plata. Sie sollte um 20 Uhr abends ablegen und um 8 Uhr morgens in Buenos Aires ankommen.

Zitator – Amadeo Baldovino 2
„Das Schiff erinnerte mich an ein Geisterschiff. Zu meinen Freunden wagte ich sogar lächelnd „Schiffbruch heut‘ Nacht“ zu sagen. (…) Bevor wir uns in unsere Kabinen zurückzogen, machten wir einen Spaziergang über Deck. Eine eigenartige Reise. Ohne den Maschinenlärm – wir hätten es nicht für möglich gehalten, dass wir uns auf ruhigem Wasser fortbewegten. Man sah: nichts.“

Regie:
–> neue Musik: Pintscher – von CD

Autorin 11
4:30 Uhr. Etwa 50 Kilometer Flussfahrt noch bis Buenos Aires. In den Kabinen rumpelt es, als die Fähre auf ein gesunkenes Wrack aufläuft. Kurz danach bricht an Deck Feuer aus. Chaos, Panik unter den Passagieren. Schwimmwesten werden verteilt, Rettungsboote zu Wasser gelassen. Amadeo Baldovino greift den Cellokoffer mit dem Mara, alles andere lässt er in der Kabine. Mit dem Koffer rennt er an Deck, sieht die Rettungsboote im Wasser. Er muss springen, um zu einem zu schwimmen.

Zitator – Amadeo Baldovino 3
„Ich weiß nicht mehr, wann genau ich das Mara stehen lassen habe. Mein Überlebensinstinkt übernahm das Kommando. Ich konnte nicht mehr atmen. Verzweifelt schlug ich um mich, um zu einem Rettungsboot zu kommen.

Zitatorin. Mara-Stimme
„Wie es sich anfühlt, abzusaufen, aus dem Leim zu gehen, den Geist aufzugeben, nennen Sie es, wie Sie wollen, sterben, krepieren, wissen, dass es das war, das Ende?
Die Wahrheit ist, dass ich keine Ahnung habe. Ich müsste lügen. Was meine letzten Gedanken waren? Hm! Verstehe. Wahrscheinlich gibt es überhaupt nichts Interessanteres als das Geheimnis der letzten wachen Sekunde…“

Zitator Amadeo BAldovino 4
War das das Ende? (…) Ich griff nach einem Seil, ohne mir bewusst zu werden, dass ich es geschafft hatte. (…). Ich gebe zu, dass ich sehr lange überhaupt nicht an mein Mara gedacht habe. Wir kamen mit einer Mischung aus Trauer und Freude an Land.“

Musik –
Zitatorin (Mara-Stimme) 5
„Als es, wie gesagt, wieder Tag war, hatte uns die Strömung ans Ufer gespült. Da lagen wir, ich ein zerfallenes Gerippe, der Kasten aufgeweicht (…). Ich war kein Cello mehr, kein Instrument, keine Mara mehr, sondern nur noch ein Haufen Kleinholz, schmutzig, verdreckt, durch und durch triefend. Was, wenn mich so Maestro Baldovino sah (…)?“

Autorin 12
Im Taxi erreichen Amadeo Baldovino und seine Musikerkollegen vom Trio di Trieste Buenos Aires. Dort werden sie umsorgt, bekommen ein heißes Bad, trockene Kleidung, ein üppiges Essen. Im Hotel schläft Baldovino 14 Stunden lang.

Zitator – Amadeo Baldovino 5
„Als ich aufwachte, traf mich der enorme Verlust meines Mara. Es klopfte an meiner Zimmertür. Renato kam mit einer Zeitung herein. Die Schlagzeile: „Das Stradivari wurde gerettet!““ … Aber ich war sicher, dass es verloren sein musste. Ich hatte das Feuer ausbrechen sehen, und ich hatte das Cello bestimmt nicht ins Wasser geworfen. …
Ich wurde gebeten, nach La Plata zu fahren, um das Cello zu identifizieren. Zumindest sollte dort ein Objekt liegen, das jeder, Zeitungen, die Öffentlichkeit als das Stradivari beschrieb – auf wundersame Weise aus dem Wasser des immensen Flusses gerettet.“

Autorin 13
Und tatsächlich: In La Plata liegt ein Cellokoffer, aufgebahrt wie ein Sarg. Baldovino und seine Triokollegen erkennen ihn sofort. Behutsam wird der Koffer geöffnet.

Zitator – Amadeo Baldovino 6
„Renato stieß ein verzweifeltes „Oh mein Gott“ aus. (…) Das war kein Instrument, sondern eine Anzahl von Teilen, die ich zu identifizieren versuchte, indem ich sie so gut wie ich konnte zu einer möglichen Rekonstruktion des Mara zusammensteckte. (…) Das war unmöglich.

Regie: Musik, Duprés /de Falla – CD (Davidov-Strad)
Wechsel vom Jahr 1963, Südamerika, ins Jahr 2014, Wien, Geigenbauer-Werkstatt

OT 10 Marcel Richters (26:31)
Also die Leute haben sich alle gerettet, aber den Cello-Kasten haben sie nicht mehr gerettet, der Schwamm dann auf dem Rio de la Plata und wurde angeschwemmt, und innendrin war das Mara, das inzwischen in seine 60 Einzelteile zerfallen war. Und dann da wie ein Haufen Schrott lag.

Autorin 14
Man sieht den Cello-Schrott, die Einzelteile, heute auf Fotos, wie von der Spurensicherung nach einem Kapitalverbrechen ordentlich drapiert.
Wie bei einer Geige Stradivaris, der „Red Diamond“, die sich im Januar 1952 bei Santa Monica im Pazifik aufgelöst hatte und wieder zusammengesetzt worden war, muss der Restaurator des Mara das Holz sorgfältig ausgetrocknet und mit einer Paraffinwachsschicht überzogen haben, damit der Lack nicht abbröselt, während sich das Holz über Monate zurückbildet.

Zitatorin Mara-Stimme 6
„Die Teile hat dann, wie hieß er…
Weisshaar, Hans Weisshaar!
Genau, Weisshaar.
Ein Genie!
Und was für eins.
((Er hat damals, wie mir einer, der ihn kannte, mir erzählt hat, sogar sein Bett in die Werkstatt geschoben, nur um das Instrument in seinem Zustand nicht allein zu lassen.
Lebt er noch?“))

Regie: Atmo – Hobeln
OT 11 Marcel Richters (29.10)
Das ist super gemacht, das siehst Du dem Instrument nicht an, dass es in Teilen war. Das Witzige ist, das Mara und die Red Diamond Stradivari sind klanglich außergewöhnlich gute Instrumente. Was manchen schon zu der Mutmaßung gebracht hat, ob es den Instrumenten sogar gut tut, wenn sie eine Weile im Wasser liegen.

Autorin 15
Marcel Richters, Instrumentenbauer. Er feixt – und bremst sich. Als könnte er die Instrumente in der Werkstatt beleidigen.

OT 12 Richters
Ich will das aber nicht als Einladung verstehen, ihre Stradivaris jetzt in die Badewanne zu legen.

Autorin 16
Wien im Juli, 17. Bezirk. Kein Schild, kein Name am Gebäude, an der Klingel, der darauf hindeutet, dass Marcel Richters in dieser Werkstatt den Klang millionenschwerer Instrumente einstellt, sie restauriert, mit ihnen handelt. Derzeit bessert er eine Geige von Guarneri del Gesù aus: Routine. Es ist die Geige des Konzertmeisters der Wiener Philharmoniker. Sie liegt auf der Werkbank, leicht wie ein Päckchen Zucker, 500 Gramm, 8 Millionen Euro wert.

OT 13 (8) Richters (2)
Das ganze Geschäft ist ein einziger Tresor. Das ist bewusst so, dass da nichts groß dransteht.

Autorin 17
Marcel Richters sitzt an einem kleinen Tisch in der Küche der Werkstatt, Blickrichtung auf eine Wand mit gerahmten Fotos. Darauf Musiker, Solisten mit großen Namen, die ihm Widmungen auf die Fotos schrieben: Mischa Maisky mit seinem Cello, einem Montagnana. Partricia Kopatchinskaja mit ihrer Geige von 1834, eine Pressenda. Ein Foto vom bestimmt 20 Jahre jüngeren Richters, der lächelnd neben Heinrich Schiff und einem Cellokasten steht. Heinrich Schiff spielte das Mara 18 Jahre lang.
Schiff hatte das Mara-Cello von einem Mäzen geliehen bekommen, Mitte der 90er Jahre war das. Seitdem betreut es Marcel Richters wie ein Hausarzt seine Stammpatienten. Mindestens einmal im Jahr, aber meistens öfter liegt es vor Richters auf der Werkbank.

OT 14 (10) Richters
Das Mara kam zu mir. Ich habe es kennengelernt, als Heinrich Schiff zu mir kam. … Dann kam er zuerst mit dem Sleeping Beauty …

Autorin 18
…ein anderes altes italienisches Cello, aus der Werkstatt von Domenico Montagnana…

OT 15 (11) Richters weiter
… und meinte, naja, ich soll mir das doch mal anhören, er hätte ja zwei Celli, die unterschiedlicher nicht sein können. Das Montagnana war eher extrem dunkel, das Stradivari eher scharf. // (5:17) Es hat einen hellen, durchdringenden, fast sopranen Klang, was sehr im Kontrast zum Montagnana, einem dunklen, warmen, fast bassartigen Cello steht. Sehr voll, ein bisschen wie Burgunderwein. // Jeder hätte so Respekt, ob ich denn den Mut hätte, da etwas zu machen. (…) Ein Instrument, das 300 Jahre oder mehr alt ist und ständig gespielt wird, muss ja auch gewartet werden. Ich hab da keine Hemmungen. Ich weiß ja, was ich mache.

Regie: evtl. Atmo Werkstatt / Hobel
Autorin 19
Die Werkstatt gleicht einer Apotheke: In den Regalen und Schränken reihen sich Gläser, Tuben, Dosen, Schachteln mit Farbpigmenten, Lacken, Klebstoffen aneinander. Eine der häufigen Reparaturen ist die Ausbesserung des Schutzlacks.

OT 16 (12) Richters (13:40)
Naturharzlack, Kolophonium, Schellack: Das kommt auf den Schweiß des Spielers an, da kann man unterschiedlich resistente Strukturen nehmen … Es geht nur darum, das Instrument vor den Menschen zu schützen.

Regie: Musik-Akzent von CD – Solo Cello / Honegger (Schiff) Hindemith (Poltéra)

Autorin 20
Was macht solche Instrumente so begehrt, dass man sie vor dem Schweiß der Musiker schützt? Dass man sie in Tresoren einschließt? Dass man heute so viel Geld für sie bezahlt wie für mehrere Eigentumswohnungen in München-Schwabing oder einen Picasso?
Der Markt für alte Streichinstrumente ist so hitzig geworden wie der Kunstmarkt. 1971 noch ersteigerte das Auktionshaus Sotheby’s die „Lady-Blunt“-Stradivari für 200.000 Dollar. 2011 verkaufte die Nippon Music Foundation dasselbe Instrument für 15,9 Millionen Dollar.

OT 17 (13) Richters (8:40)
Es gibt halt gewisse Namen der Menschheitsgeschichte, die Geschichte schreiben. Und diese Jungs – Amati, Stradivari, Montagnana – waren die Urheber dieser Form, dieser Art von Instrument, nicht die Erfinder, sondern die, die es vervollkommnet haben. Und es ist auch wirklich so, dass man dem nichts mehr hinzugefügt hat. (…) Menschen haben immer eine Faszination mit Alter. Und mit Dingen, die vor 2, 3, 400 Jahren entstanden sind und die heute fast besser funktionieren als damals. Das hat natürlich eine Faszination.

Musik – Cello-Solo (nicht Mara) evtl. kurz

Zitatorin Mara-Stimme 7
„Ich verstehe nichts von Geheimnissen, aber mit rechten Dingen kann es nicht zugehen, dass die Menschen darauf bestehen, es gäbe eines, was mich (und meine großen und kleinen Geschwister) betrifft. Ich weiß nicht.“

OT 18 (23) Wondratschek (0:25)
Das Besondere war, dass die obere Decke abgenommen war, man konnte in das Innere hineinschauen. Es war dort für eine Reparatur. Man hat dort viele viele kleine bearbeitete Risse gesehen.

Autorin 21
Der Mythos des Mara mehrt sich abermals an dem Nachmittag, als der Schriftsteller und Lyriker Wolf Wondratschek die Werkstatt von Marcel Richters in Wien betritt.
Wondratschek sucht den Geigenbauer immer wieder auf, wenn er eine Expertise aus dem Musikermilieu braucht. Diesmal schreibt er an einer Erzählung über einen Geiger, der an Lampenfieber erkrankt. („Die große Beleidigung“.) Jetzt aber sieht Wondratschek das Cello, wie es ohne Deckel sein Inneres preisgibt, vergisst das Lampenfieber. Er schaut hinein. Hört: „Stradivari“, „Untergang“, „Rettung“.

Märchenhafte Geschichte, großartige Geschichte. Wie aber sie erzählen?

OT 19 (21) Wolf Wondratschek (bei 2’40“)
Ich glaube es war ein Spaziergang. Ich gehe immer gern spazieren, um meinen Kopf frei zu kriegen, und da muss es passiert sein, dass ich gedacht habe, wie wäre es zu versuchen, dieses Material als eine Autobiographie zu schreiben, also das Mara, das Violoncello, erzählt seine Geschichte selbst. Dieses Geschenk dieses Einfalls muss man erstmal bekommen, und als ich es hatte, habe ich das Potential erkannt.

Autorin 22
Wondratschek lässt in einem Roman das Cello selbst berichten: Von den Musikern, die es spielten, von seinem Erschaffer, Antonio Stradivari, und vom Tamtam, das die Menschen um dessen Instrumente immer schon gemacht haben. Mit der Stimme des Cellos mokiert sich der Schriftsteller Wondratschek über den Hype. Er allerdings erliegt der Faszination ebenso – und schreibt die Geschichte des Mara bis heute weiter. Der Roman ist nicht nur eine chronologische Lebensgeschichte eines 300 Jahre alten Instruments. Wolf Wondratschek erzählt auch die Geschichten der Musiker, die mit dem Cello eine Zeitlang lebten und auf ihm spielten.

OT 20 (24) Wondratschek (22:03 / 12:50)
Das Mara hatte ein schweres Leben: es ist 300 Jahre zwischen den Schenkeln von Wahnsinnigen. Das ist ein harter Job. Eine Geige hat nur Kontakt zur Wange und ein Klavier ist nur ein Möbelstück. Aber das Cello! Darüber beugt sich ein Wahnsinniger.

Regie —> Musik Cello – Ludwig Quandt 1
Quandt spielt „Live“

OT 21 Ludwig Quandt darüber (bei ca. 3:00)

Als ich Solocellist wurde in Berlin, ich war selber im Tutti, 93 habe ich die 1. Soloposition bekommen. Da hatte ich ein Cello, das den Ansprüchen nicht ganz gerecht wurde.

Autorin 23
Ludwig Quandt, erster Solo-Cellist der Berliner Philharmoniker.
Verheiratet. Drei Töchter. Ein Cello von Francesco Ruggieri. Baujahr: 1675 in Cremona, Wert: ca. 600.000 Euro.
36 Jahre älter als Stradivaris Mara.

OT 22 Quandt
Jedenfalls sagten Kollegen, du bist jetzt 1. Solocellist, sieh mal, dass du ein vernünftiges Instrument an Land ziehst. Wie man mit so einer Frage umgeht, als Berufsanfänger, als Familienvater, ist nicht einfach. Ich hätte mich ganz hoch verschulden können für den Rest meines Lebens und versuchen können, ein altes Instrument zu kaufen. Was damals aber schon nicht mehr möglich war, da sind die Preise schon durch die Decke gegangen. Als normaler Musiker ein solches Instrument zu kaufen, das gehört leider der Vergangenheit an.

Autorin 24
Ludwig Quandts Ruggieri-Cello ist eine Leihgabe der Deutschen Bank. Quandt hat es bei einem Händler in New York gefunden.

OT 23 Ludwig Quandt 5:41
Nach den ersten Tönen war’s klar. Es traf mich ins Herz. Dieser klang, es sind ja nur wenige Töne, aber da gibt’s keine Fragen mehr.

MusikCello Quandt spielt (live) 2

OT 24 Ludwig Quandt

Das Ruggieri hat einen weichen Grundklang. Und man spürt in den Fingerspitzen, wie das Instrument reagiert, wie die Stimmbänder eines Sängers, man spürt es auch zwischen den Beinen. Alles wirkt zusammen. Wie man einen Menschen sympathisch findet oder auch nicht. Das sind Prozesse, die sich im Unbewussten abspielen. Als objektive Kriterien kann man sagen: dass der Klang trägt, dass die Stimme sich separieren kann, von anderen Instrumenten absetzt. Mein Ruggieri hat die Charakteristik, nach allen Seiten gleichmäßig abzustrahlen. Das ist anders als bei einem Stradivari….

Autorin 25
Quandt hat drei Stradivari-Celli kennen gelernt, sprich: er hat auf ihnen gespielt. Das Mara war zwar nicht darunter, aber eine ganze Zeit lang hing es in Quandts Arbeitszimmer an der Wand – wie bei Christian Poltéra: auf einem Poster.
Wie eine Diva.

Ja, ein Stradivari sei wie eine Diva, so könne man es sagen.

OT 25 Quandt
Entweder lässt man sich darauf ein, oder man hat keine Chance.
man kann sich kaum größere Unterschiede zwischen Ruggieri und Stradivari vorstellen. Ein Stradivari hat auf der A-Saite, das ist die höchste Cellosaite, diesen charakteristischen Strahl. Dieses fast metallische Glänzen des Klanges, der mühelos durchdringt. Es hat auf den tieferen Saiten, da muss man, da fühlt man sich nicht so aufgefangen, da gibt es nicht dieses bauchige Runde, sondern es ist kernig, knorrig, unglaublich charakterstark. Aber es fehlt diese Weichheit, die ich beim Ruggieri so liebe, was einen richtig umarmt vom Klang her…..

Regie: Musik Ludwig Quandt spielt live 3 (Dvorak)

OT 26 Ludwig Quandt (15:45)
Wenn ich nicht sehen würde, was ich zwischen den Knien halte, ich würde schon allein an den Schwierigkeiten, die ich bei den ersten Bogenstrichen habe, aber an dem starken Charakter, der in jedem Ton drin ist, würde ich merken: das geht in die Richtung. Aber natürlich, ich muss sagen, ich bin mit meinem Ruggieri verheiratet, Das bedeutet im Umkehrschluss auch, dass ich andere nicht so gut kenne.

Autorin 26
Als Ludwig Quandt das Ruggieri bekam, hängte er das Poster vom Mara ab.

OT 27 Ludwig Quandt
Man muss nicht zwei Schönheiten im Zimmer hängen haben.

Autorin 27
Eines Tages, wenn Ludwig Quandt in den Ruhestand geht, wird er sein Ruggieri-Cello wieder zurückgeben. An die Deutsche Bank, die es vielleicht dann seinem Nachfolger bei den Berliner Philharmonikern leihen wird.

OT 28 Ludwig Quandt (20:32)
Ob mir das Orchester mehr fehlt oder das Cello, das wage ich nicht vorauszusagen, daran möchte ich jetzt gar nicht denken.

Musik – Brahms Klavierkonzert Phillys mit Quandt DCH

OT 29 Marcel Richters neu (5:00)
Der Boris Kuschnir, der bekannte Pädagoge, hat bei mir, da hatte ich für einige Woche eine Stradivari, die der Nathan Milstein gespielt hat und die einen Klang hatte, den hat man sofort erkannt.

Autorin 28
Marcel Richters, der Geigenbauer und -händler aus Wien.

OT 30 Richters
Der Boris war ein großer Verehrer von Milstein und hat sich für zwei Stunden mit der Geige zurückgezogen. Und er kam gar nicht wieder. Ich hab mir schon gedacht: hat der sich nach Südamerika abgesetzt?
Da hab ich um die Ecke geschaut, und dann stand er da mit der Geige und es liefen ihm die Tränen herunter. So ganz für sich. Er war so ergriffen von dieser Dimension, in die er da eingedrungen ist, so für sich, so ganz alleine.

Autorin 29
Manche Musiker suchen ihr ganzes Leben lang nach dem einen Instrument, das zu ihnen passt wie kein anderes. Das sie kennenlernen wie in einer Ehe. Nathan Milstein hatte Glück. Ludwig Quandt, 1. Solo-Cellist bei den Berliner Philharmonikern, hatte Glück. Und
Christian Poltéra hatte Glück, er hat so ein Instrument gefunden, sein Instrument, das 300 Jahre älter ist als er. Und weit berühmter. Das Mara.

Regie: Musik – Trio Zimmermann

Den ideellen Wert, den solche Instrumente für die Musiker, die es spielen und dessen Publikum haben, kann man nicht überschätzen. Christian Polteras Trio-Kollege, der Geiger Frank Peter Zimmermann, musste sich Anfang 2015 von seiner Stradivari trennen, der „Lady Inchiquin“, wie das Mara ein Instrument von 1711. Mit Heinrich Schiff, dann Christian Poltera und dem Mara hatten die Mitglieder des „Trio Zimmermann“ alle auf Instrumenten Stradivaris gespielt, eine Seltenheit, zumal Stradivari wohl nur zehn Bratschen baute.

Regie: Musik – Trio Zimmermann

Der Verlust der Geige bedeutet für Zimmermann „eine ganz große Tragödie“.

Für Poltera war es ein Riesenglück, als das Mara 2012 zu ihm kam. Und für den Wiener Cellisten Heinrich Schiff dagegen, seinen Vorgänger am Mara und früheren Lehrer, war es ein Schicksalsschlag, als er es abgeben musste.

Musik, dann weg
OT 31 Wondratschek NEU O-Ton: 12:40
Natürlich ist das auch eine tragische Geschichte. Die Geschichte von Instrumentalvirtuosen sind immer tragische Geschichten irgendwo. Nicht alle werden wie Rostropowitsch, die bis ins hohe Alter spielen können.

Autorin 30
Wolf Wondratschek, der Schriftsteller und „Biograph“ des Mara-Cellos. Er besuchte die Konzerte, die Heinrich Schiff in Wien gab. Oft traf er ihn zu Gesprächen für seinen Roman..
Jahrelang hatte Schiff Ratschläge der Ärzte verworfen, seinen Arm zu schonen. Er habe, so heißt es, leidenschaftlich einen Porsche gefahren. Die Schaltung war Gift für den Arm. Neben den Konzerten, dem vielen Üben war das zuviel: Schiff musste seine Karriere als Solist aufgeben. Für immer.

Zitatorin Mara-Stimme 8
„Das musste sich eines Tages rächen, dieses jahrelange, ach was, dieses jahrzehntelange Verschludern der Haltung, dieses unruhige, aufgeregte Atmen, was wie Dr. Natürlich ihm erklärt hatte, die Sauerstoffverhältnisse in seinem Blut ruinierte (…), sein rigoroses Training, die Ausdauer, (…) die ganze (und letztem Endes vielleicht vergebliche) Schwerstarbeit eines Musikers, den Ideen der Vollkommenheit zu dienen.“

OT 32 Wondratschek dazu…16:32
Stellen Sie sich einmal vor, Sie verbringen ein gesamtes Leben als Cellist, und dann ist es für immer vorbei. Und dann kann er nicht einmal mehr seinen Schülern etwas vorspielen. Es geht nicht mehr. (seufz)
((neu: (24:30) Diese Leere, die plötzlich da ist.))

Autorin 31
Heinrich Schiff hat seit seiner Verletzung weder das Mara, noch ein anderes Cello angerührt. Und das ist auch etwas, was man an der Geschichte des Mara-Cellos nachvollziehen kann, eine Geschichte, die dem Konzertpublikum meist verborgen bleibt: die menschliche, körperliche Seite der Musik, die Opfer, die Musiker ihrem Beruf bringen, sei es aus Liebe, aus Ehrgeiz, aus Alternativlosigkeit.
((Eineinhalb Jahrzehnte lang hat Heinrich Schiff auf dem Mara gespielt. Wie war seine Beziehung zu diesem besonderen Instrument? Auf diese Fragen antwortet Schiff per Mail, freundlich, aber knapp. Er könne…

Sprecher 2 „Schiff“
… nicht mehr spielen, weil mein rechter Arm kaputt ist. Das hat zur Folge, dass ich über die wunderbare Zeit des Spielens mit Mara nicht sehr gern spreche – eigentlich überhaupt nicht. Ich bitte um Verständnis. (…) Mit besten Grüßen, H. Schiff. ))

OT 33 (25) Wolf Wondratschek
Ich habe Heinrich gefragt, ob er bereit ist, mir über das letzte Konzert, das er abbrechen musste, zu erzählen, das hat er auch getan, das vielleicht daran liegt, das wir viele Jahre befreundet sind.

Sprecher 3 „Schiff“
„Der Schmerz kam zurück, stärker, stechender als zuvor. Wie viele Takte würde ich noch durchhalten können bis zur völligen Lähmung des rechten Arms? Ich spielte, solange es überhaupt ging, brach dann ab, fing wieder an… (…)

Musik 7, Hindemith, Sonate, 2. Satz (Track 9) (25‘‘)

Zitatorin (Mara-Stimme) 9
„Das Publikum verharrte reglos in den Sitzen, versuchte zu verstehen, was sich gerade abspielte.“

Autorin 32
Am 25. April 2010 gab Heinrich Schiff sein letztes Konzert. Mozartsaal, Wiener Konzerthaus, auf dem Programm: Beethoven, Werke für Cello und Klavier. Was an jenem Abend passierte, hat Wolf Wondratschek in der sechsten Auflage seines Romans aufgenommen: die Geschichte von Heinrich Schiff und dem Mara-Cello.

Zitatorin (Mara-Stimme) 10
„An diesem Abend verließ ein großer Musiker die Bühne für immer. Es hingen auch lange danach noch in vielen Städten Ankündigungen von Konzerten des Cellisten Heinrich Schiff, als es den Cellisten Heinrich Schiff schon nicht mehr gab.“

Regie: Musik – Schiff?

Zitatorin (Mara-Stimme) 11
„Ich werde mit jedem Jahr, das es mich gibt, seltener. Wechselt mein Besitzer, steigt mein Preis. Im Augenblick bin ich fünf bis sechs Millionen wert, US-Dollar-Millionen, wohlgemerkt.“

Autorin 33
Wie das Cello seinen Weg vom Österreicher Heinrich Schiff zum Schweizer Christian Poltéra fand, das liegt im Halbdunkel der Gerüchte – wie oft, wenn ein Stradivari-Instrument für viele Millionen den Besitzer wechselt.

OT 35 (21) O-Ton Poltera (2)
Ein Gerücht, ist, dass mein Lehrer Heinrich Schiff mir das Mara geschenkt habe. Was natürlich Quatsch ist. Er hat es ja nie besessen. Das legen sich die Leute so zurecht, das geht dann ganz schnell.

Autorin 34
Christian Poltera. Der neue Besitzer des Mara. Solo-Cellist.

OT 35 (22) O-Ton Poltera weiter
Wenn so ein Cello den Besitzer wechselt, gibt es manche, die es haben möchten, es gibt dann viele Leute mit erstaunlich viel Geld, und so ein Cello ist nur ganz, ganz kurz auf dem Markt.

Autorin 35
Vier Tage nur soll es gedauert haben von dem Zeitpunkt, als klar war, dass Heinrich Schiff das Cello abgeben würde, bis es einen neuen Eigentümer fand. Heinrich Schiff hatte es zur Verfügung gestellt bekommen, von einer Stifterfamilie.

OT 36 (23) O-Ton Poltera (2 – 10:35)
…Leute, die Spaß daran haben, die haben so viel Geld, dass sie das machen können, ohne im Alltag darunter zu leiden. Und es macht ihnen Freude, so etwas zu ermöglichen. Es geht ihnen darum, dass so ein Kulturgut in Europa bleibt und gespielt und gehört wird. Viel mehr haben sie ja selber nicht davon.

Regie — Walzer mit Cello (Filmmusik, Wong Kar Wai, In the mood for love, In the Mood For Love – Yumeji’s Theme)

Autorin 36
2012. London, Wien, Taiwan, Salzburger Land. Als der Cellist Heinrich Schiff seine Solistenkarriere aufgeben musste, sind gleich zwei berühmte, begehrte Instrumente wieder auf dem Markt: Das Mara-Cello von Antonio Stradivari und das Sleeping Beauty aus der Werkstatt von Domenico Montagnana..
Sleeping Beauty war schon verkauft und auf dem Weg nach Taiwan. Marcel Richters, der Geigenbauer in Wien, weiß:

OT 37 (24) Richters (1 – 8:00)
Die Kanäle, über die das Sleeping Beauty gewandert war, die waren ganz gierig darauf, dass das Mara auch nach Asien verschwinden sollte.

OT 38 (25) O-Ton Poltera (1:38)
Da gibt es einen Sammler angeblich in Taiwan, wo Geld keine Rolle spielt, und der sammelt diese Instrumente. Er hat auch einen Sohn, der Cello spielt.

Autorin 37
Als Christian Poltera seinen Lehrer am Attersee bei Salzburg besucht, erzählt ihm Heinrich Schiff bei einer Tasse Kaffee davon, dass der Stifter auch das Mara-Cello verkauft.

OT 39 (25b) Poltera// (8:36)
Es war nicht das Cello X für mich, sondern eines, das ich seit 20 Jahren kenne.

Autorin 38
…das bei ihm in der Studenten-WG auf einem Poster an der Wand hing. Nun sollte das Mara an einen Geschäftsmann in Taiwan gehen. An denselben, bei dem auch das Sleeping Beauty im Wohnzimmer steht.

OT 40 (26) Poltera weiter
Man müsste meinen, dass ein, zwei, drei Celli genügen, aber es genügt halt nicht. … Ich habe mir nicht so viel dabei gedacht, weil, ich kann es ja nicht kaufen. Ich kenne auch niemanden, der auf die Schnelle so viele Millionen hinlegt. Ich ging in mein Hotel am Mondsee.

Autorin 39
An der Rezeption trifft Christian Poltera seine Streicherkollegen vom Auryn-Quartett, erzählt ihnen vom Verkauf. Noch ein altes Instrument würde von der Konzertbühne verschwinden.

OT 41 (27) Poltera
Und die meinten, Moment mal, ich kenne da jemanden. Und die, die da angerufen wurden, die kannten das Buch schon von Herrn Wondratschek. Und haben sofort ihren Anwalt eingeschaltet und Kontakt aufgenommen mit dem damaligen Besitzer und das unheimlich schnell geregelt, um das zu verhindern. …
Es war ja schon eingefädelt, dass das dann über einen anderen Händler über London nach Taiwan geht. Und das musste dann alles abgeblasen werden. Die hatten dann nicht so viel Freude, denn es geht um hohe Provisionen. Und der verkauft auch nicht alle Tage so ein Cello.

Autorin 40
In jenen Tagen lag das Mara in Wien, bei Marcel Richters in der Werkstatt.

OT 42 (28) O-Ton Richters (8:40)
Das war eine heiße Aktion, ging ganz schnell und war in letzter Minute. (10:24) Man könnte sicher einen super Krimi daraus machen.

Autorin 41
Auch Richters telefoniert eine ganze Nacht lang, um den Verkauf nach Taiwan zu verhindern. Aber wen er wann gesprochen hat, darüber will er öffentlich nichts sagen. Namen fallen in dieser Branche ohnehin selten.

OT 43 (29) O-Ton Richters (8:00)
Ich kann nur sagen, dass es jetzt hier ist, dass wir alle nicht ganz unbeteiligt daran waren.

Autorin 42
Das Mara wird umgeben von einer Geheimniskrämerei, die immerhin eines bewirkt: Sie mehrt den Mythos.

Musik

OT 44 – Annette Otterstedt s (6:43)
Ich werde ja oft gefragt: klingen die Stradivari-Instrumente so viel besser? …Ein Streichinstrument ist ja eine unglaublich komplexe Angelegenheit. Sie haben ja nicht nur Korpus, Hals, sondern: was für Saiten haben sie drauf, wie hoch ist die Saitenbelastung der Decke. Wie hoch ist der Steg, wie schwer ist der Steg, wie schwer ist das Griffbrett, wie lang ist der Saitenhalten. Und letztlich: wie geht der Spieler da dran.

Autorin 43
Annette Otterstedt ist Instrumentenkundlerin und Kuratorin am Musikinstrumentenmuseum in Berlin.

OT 45 – Otterstedt
Es gibt unendlich viele Parameter, und sie können eigentlich mit einem bisschen Schmu selbst das beste Instrument zuschanden spielen.

Autorin 44
In ihrem kleinen Büro, in dem Annette Otterstedt viele türkische Tulpentassen mit grünem Tee trinkt, sitzt sie inmitten von Büchern über alte Musikinstrumente und sagt, sie spiele gern die Böse, wenn es um den Kult um die alten italienischen Instrumente aus Cremona gehe.

OT 46 (16) O-Ton Otterstedt (32.25)
Einmal ist es so, dass ein gutes Instrument wertvoll ist. und wenn das der berühmte Geiger XY gespielt hat, und der stirbt dann, dann wird spekuliert und dann wird der Preis hochgetrieben. Da kann man nix machen. … Das ist eine riesengroße Luftblase, die irgendwann zusammenkracht. Schon deswegen, weil die Geigen sich nicht ewig halten. Es sind absurde Preise, die stehen meines Erachtens mit dem tatsächlichen Wert, auch dem hohen kulturellen Wert, auch dem musikalischen Wert in keiner Relation.

Zitatorin (Mara-Stimme) 12
„Klar, alle wollen, mehr oder weniger wissenschaftlich, nichts anderes, als Antonio Stradivari in die Karten schauen, ihn enträtseln, sein Geheimnis lüften, das er, falls er eines hatte – was ich stark bezweifle! -, mit ins Grab nahm. (…) Ein Geheimnis zu haben, war das nicht die Erfindung einer späteren Generation, die dann begann, in internationalem Maßstab zu spekulieren, an Profite glaubte, an Agenten, an die Eroberung neuer Märkte? (…)

OT 47 (18) O-Ton Annette Otterstedt
Der Test ist oft gemacht worden, dass das Publikum gedacht hat, oh, der spielt auf einer Guarneri oder einer Stradivari, und er hat auf einem Neubau gespielt. Oder: Vor dem Vorhang sitzen Instrumentenbauer und Musiker, und hinterm Vorhang spielt jemand Instrument nach Instrument. Die meisten können nicht hören, welches die echte Stradivari ist und welches der Nachbau. Ich denke, da ist wahnsinnig viel finanzielle Spekulation bei.

Autorin 45
Zwei Stockwerke unter ihrem Büro, im Museum, hängen hinter Glas Jahrhunderte alte Geigen, Bratschen, Bassgeigen. Als Musikerin würde Annette Otterstedt gerne auf allen spielen – aber als Wissenschaftlerin am liebsten in der Vitrine lassen, damit sie sich, wie sie sagt, ausruhen können. Das Museum hat eine Stradivari-Geige von 1703.

OT 48 (17) O-Ton Otterstedt (20:00)
Die prominenten Instrumente sind alle noch in Betrieb. Die Stradivari haben wir als Geschenk, also übereignet sozusagen von der Bundesrepublik, weil das Instrument in Orchesterbenutzung war die ganze Zeit und derartig runtergespielt. Mir tun alte Instrumente im Orchester leid. Sie müssen leiden. Durch Überanstrengung, durch Klimawechsel, durch Reisen.

Autorin 46
Selbst das Holz der besten Geige würde eines Tages ermüden, sagt sie. Was aber hat diese Instrumente überhaupt „gut“ gemacht? Klingen sie tatsächlich besser als viele andere, als jüngere Instrumente?

OT 49 (14) Annette Otterstedt (28:30)
Die einen schieben’s auf den Lack, die anderen schieben’s auf die kleine Eiszeit, und die dritten auf irgendeine Pilzbehandlung.
Der Denkfehler heutzutage: die Leute denken immer von der Chemie aus. Aber früher dachte man vom Handwerk aus. Das war pures Handwerk. Die Cremonenser wussten, wie man mit dem Holz umgeht, die wussten, wie man es behandelt, wie man es schneidet, wann man es schlägt. Das ist eine Urkenntnis des Materials.

Autorin 47
Ist es auch der Name der Musiker, die sie besessen haben, der sie so begehrt macht? Wie bei Kunstwerken, deren Wert steigt je nach Galerie, in der sie hängen, je nach namhaftem Sammler, der sie kauft, je nach Museum, das sie ausstellt?

OT 50 (19) Otterstedt (30:12)
Der Genius des Musikers ist mit Sicherheit drin. … Routinierte Musiker wissen natürlich, wie man ein Holz anfasst. … Das ist eine große Leistung, sich so auf das Instrument einzuschießen… … Wenn diese Instrumente seit 200 Jahren von Könner zu Könner gehen, dann sacken sie auch nicht ab. Und ich wette, wenn Sie in einem Landschloss in der Basilicata oder sonstwo eine Stradivari finden, die noch nie gespielt worden ist, ich kann Ihnen Brief und Siegel darauf geben: Die klingt wie Arsch und Friedrich.

________________

—Musik 5 Von Stick Martinu 1, 1. Satz ab ca. 0:20 bis ca. 2:02

Zitatorin Mara -Stimme 13
„Zeitgenössische Musik? Was denn, was denn! Ich stehe seit meiner Geburt im Dienste zeitgenössischer Musik. Ich bin nun fast schon drei Jahrhunderte hindurch Zeitgenosse. Und bin einverstanden! Ich dulde kein Bedauern, ich nicht; und unter Zeitdruck stehe ich bei meiner Lebenserwartung auch nicht. (…)“

Zitatorin Mara-Stimme
Es wird nicht mehr komponiert, um Schneiderrechnungen zu zahlen. Es tagt das Weltgericht. Ein Schmetterling zeigt seine Krallen. Fliegt fort! Versucht, die Sonne zu fassen!“ ))

OT 51 (1) – Christian Poltera (bei 19:36)
Als ich angefangen habe, CDs zu machen, da wäre es mir überhaupt nicht recht gewesen, gleich das berühmteste Cello-Konzert aufzunehmen. Ich hätte es als enormen Druck empfunden und vielleicht ein bisschen sogar als Anmaßung. Weil: es ist ja nicht so, dass es nicht tolle und viele Aufnahmen schon gibt.

Autorin 48
Christian Poltera sitzt auf einem Podest in der Jesus-Christus-Kirche in Berlin Dahlem. Er will mit dem Deutschen Symphonieorchester Berlin eine CD einspielen. Auf dem Programm: das erste Cello-Konzert von Bohuslav Martinu.

OT 52 (13) Poltera (1936)
Das Cello-Konzert kennt man zu wenig. Und auch jetzt, wenn man auf der gleichen CD hat wie das Dvorak-Konzert, das überhaupt berühmteste Konzert, das es gibt, da profitiert auch Martinu vielleicht ein bisschen davon. Und gibt auch für mich, finde ich, eine Berechtigung, das Dvorak-Konzert aufzunehmen. Weil auch die Mischung dann wieder stimmt.

Autorin 49
Die Woche, die vor ihm liegt, macht ihn nervös: Denn er nimmt nicht nur ein weitgehend wenig bekanntes Werk auf. Sondern auch das h-Moll-Konzert von Antonin Dvorak: die Messlatte für jeden Solo-Cellisten. Christian Poltera hätte das gern noch ein wenig vor sich hergeschoben. Aber jetzt hat er nunmal dieses Cello. Es wäre die erste CD-Einspielung des Dvorak-Konzerts auf dem Mara überhaupt. Lust und Last.

Musik 4 – von Stick – Dvorak 2. Satz (ca. 1’30“, T. 39-68)
1‘34‘‘

2 Atmo (nach der Pause, Orchester stimmt ein)

OT 53 – (8) Ingo Petry (0’12 /
Die Akustik dieser Kirche ist auf der halligen Seite, wie es oft bei Kirchen so ist, sie ist aus Stein, sie ist sehr hoch, die Kirche auch, und sehr offen. // (3:15) Das ist wie beim Klavier, beim Flügel, wenn man das rechte Pedal zu lange offen lässt, dass alle Akkorde ineinanderschwimmen. Das ist nicht immer gewünscht. Das ist eine Herausforderung. //

Atmo – Regiezimmer
Autorin 50
Folgt man den vielen Kabeln, die aus dem Hauptschiff unter einer Tür durch in einen Nebenraum der Kirche führen, kommt man zu Ingo Petry. Petry sitzt hinter einem Mischpult mit vielen Reglern; er ist der Tonmeister dieser Aufnahme. Er beugt sich über die Partitur. Kritzelt in sie hinein.

OT 54 (9) Petry (1:34)
Natürlich hat diese Akustik auch riesen Vorteile. Und grade für diese Art von Musik, die wir machen, also das Dvorak Cello-Konzert, die Streicher haben eine unglaubliche Blume. Der Klang entwickelt sich in der Kirche und hat einen tollen, warmen Nachhall. Die Kirche hat schon akustische Qualitäten. Und wir versuchen, das schon auszunutzen, dass man beides bekommt. Der Vorteil ist, dass der Raumklang so fantastisch ist, dass man, wenn man Glück hat, noch ein besseres Ergebnis erzielen kann als wenn man jetzt in einem Konzertsaal aufnimmt.

Musik (kurz, Dvorak 1, ca. 1:09 bis ca. 1:20 dann ausblenden
(30‘‘)

OT 55 (10) Petry 3:39
Für mich ist das Konzert ein sehr emotionales natürlich, persönlich für das Cello geschrieben. Danach war das Cello wirklich etabliert als Soloinstrument in der Romantik, da hat Dvorak einen unheimlichen Glücksgriff gemacht, wie er für das Cello geschrieben hat. Es ist sehr kompliziert, sehr komplex orchestriert. (…) Es sind alle Charaktere vorhanden. Von extrem lyrischen Passagen bis hin zu emotional geladenen schnellen Figuren.

Autorin 51
Petry, der Tonmeister, kennt Poltéra, den Solisten, schon einige Jahre, aber das Mara-Cello, das Antonio Stradivaris Werkstatt vor 300 Jahren verlassen hat, sieht er zum ersten Mal.

OT 56 (11) Ingo Petry
Wie warm und lyrisch das Cello in den höheren Oktaven klingt, ist fantastisch. In der tieferen Lage hat es nicht ganz den Kick, den ich auch von anderen Cellos gewohnt bin, aber trotzdem hat es eine gewisse Tiefe. … Und es ist nicht ganz einfach zu spielen.

REGIE –> Hier wieder Musik kurz anschließen – Dvorak

OT 57 (7) Christian Poltera (34:10)
Was wir noch nicht angesprochen haben ist diese enorme Klarheit in der Höhe.

Autorin 52
Das Orchester macht Pause. Christian Poltera ist allein im Kirchenschiff sitzengeblieben, in dem die CD aufgenommen wird.

OT 58 Christian Poltera (34:10)
Also Dvorak hat ja lange gezögert ein Cello Konzert zu schreiben. Er fand, das Cello, das brummt so in der Basslage und näselt so im oberen Register. Gott sei Dank hat er dann doch noch das Cello-Konzert geschrieben. Es ist schon so, dass einige Instrumente ein bisschen eng werden in der Höhe, das sagt man der Bratsche auch nach, dass sie näselt Und die Geige ist dann wieder zu scharf. Hier ist es einfach toll, es gibt kein Limit. Es hat einen starken Bass.

(Spielt an)

Und wenn es dann größer wird, der Klang, wird es eben nicht eng.

(spielt weiter)

Auch das ist etwas, das man entdecken muss. Dieses Cello darf man nicht forcieren. Wenn man zu viel drückt, wie es bei anderen Celli auch ganz gut funktioniert, dann wird der Klang eng. Und klein. Man muss es wirklich entdecken, wie man das Maximum herausholt.

Musik

OT 59 (31) O-Ton Poltera (1 – 32:00)
So ein Instrument hat auch eine eigene Stimme. Ich dachte am Anfang, ja, das klingt ganz gut, aber das bin nicht ich. Als würde man sprechen mit der Stimme eines anderen. Also das dauert schon ein, zwei Jahre, … und es ist noch nicht abgeschlossen, der Prozess, also dass es auch nach mir klingt.

Autorin 53
Christian Poltera ist 37 Jahre alt, ein Cellist am Anfang einer großen Karriere, der nun auf einem Instrument spielt, dessen Mythos Lust und Last zugleich ist.

OT 60 (MF 26) Poltera 30:00
Es ist ein Traum. Wenn ich sage, es gibt nur 20 davon, und dann sagt jemand, du hast es auch verdient, dann sage ich, ja, aber es gibt auch mehr als 20, die es verdient hätten, darauf zu spielen.. Da gehört unglaublich viel Glück dazu. Es ist nicht unbedingt so, dass das nur mein Cello ist. In spätestens ein paar Jahrzehnten wird es sowieso wieder das Cello von jemand anderem sein. Das ist ja auch das Schöne: es besitzt eigentlich niemand so ein Instrument. Seit 1711 geht die Geschichte, und es geht auch immer weiter.

Autorin 54
Als Christian Poltéra den Raum verlässt, bleibt das Mara einen Moment allein auf dem Podest liegen; es liegt da auf der Seite, wie eine schlafende Frau.

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