Du hast keine Chance

… also nutze sie: Die Geschichte von Anna und Rahim, die ihre Liebe für unmöglich hielten – und sie trotzdem wagten.

Illustration: JOOHEE YOON

An einem hellblauen Samstag im September vor sechs Jahren bekam Anna die Gewissheit, dass ihre Gefühle zwar unpraktisch, aber groß waren. Und dass sie von jetzt an nichts mehr gegen sie tun würde. Wir feierten die Hochzeit von Freunden auf einer Wiese über Dresden. Anna hockte auf einer Bank und sah dem Brautpaar zu, das für seine Hochzeitsfotos posierte. Sie war am Vorabend aus Griechenland angereist. In der Hafenstadt Patras drehte sie einen Dokumentarfilm über Jugendliche, die aus Afghanistan und dem Iran geflohen waren, ihre Rettungsboote hatten sie dann nach Griechenland getrieben.
Sonnenlicht floss durch die Baumkronen und tanzte auf Annas Gesicht. Sie strahlte, das passte nicht zu den harten Geschichten der jungen Männer, die sie erzählte. Sie hatten ihre Familien verloren. Sie kochten am offenen Feuer und schliefen unter Brücken. Sie prügelten sich, wurden von Schmugglern verprügelt und von der Polizei, und ihr einziges Ziel war der Versuch, sich in Patras unter Lastwagen festzukrallen, um weiter nach Mitteleuropa zu kommen.
Aber das Lächeln blieb auf Annas Gesicht. Sie war sternhagelverknallt. In einen der Jungs aus ihrem Film: Rahim, Afghane aus dem Iran, ohne Pass, seit vier Jahren in Griechenland… mehr
(Süddeutsche Zeitung Magazin vom 9. Februar 2018)

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

w

Verbinde mit %s