Das Konzert

Musik hat kein Gewicht. Ein Klavier schon. Dieses hier wiegt 286 Kilo und ist schwarz lackiert, ein Steinway O-180, ein kleiner Konzertflügel, Versicherungswert: 94.000 Euro. Er soll jetzt übers Wasser. Die Klavierträger haben ihm Beine und Lyra abmontiert und ihn senkrecht auf einen Rollwagen gestellt. Als sie ihn über die Uferbefestigung auf das Pontonboot schieben und sein Gewicht ganz auf dem Boot liegt, sinken die Pontons ein paar Zentimeter tiefer in den See. Die Klavierträger wechseln stumm einen Blick. Der Himmel über Berlin ist blau.

Weiterlesen: SÜDDEUTSCHE ZEITUNG MAGAZIN, 12.11.2021

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Erschienen im SÜDDEUTSCHE ZEITUNG MAGAZIN, 12.11.2021

Erkenntnis: MENSCHEN GEBEN MEHR GELD FÜR MUSIK AUS ALS FÜR WEIN.

Den Gewinn von 1093,69 Euro haben wir dem Projekt „Educate a child“ der UNO-Flüchtlingshilfe gespendet.

Die Vorstellung eines Konzertflügels, der übers Wasser kommt, scheint was mit den Menschen zu machen. Vielleicht auch deshalb, weil es in eine Zeit fällt, in der man sich daran gewöhnt hat, vernünftig sein zu müssen. Ronny Kötteritzsch am Steuer. Foto: Felix Broede

Vielleicht wäre das eine Art Beleg für einen Satz, den ich irgendwo mal gehört hatte: Man komme in ein Konzert als Individuum hinein und ginge als Gemeinschaft wieder heraus. Foto: Felix Broede

Die Inselbühne auf Valentinswerder. Ronny Kötteritzsch hat sie gebaut. Er hat Getränke und den Flügel vom Festland auf die Insel gefahren, die Lichtinstallation gezaubert und am Vormittag entschieden, anstelle eines Daches einen Lüster unter die alten Bäume zu hängen, da selbst die pessimistische WetterApp Null Prozent Regenwahrscheinlichkeit vorausgesagt hat.
Am Flügel: Malakoff Kowalski. Foto: Felix Broede

Die Cellisten Julia Hagen und Konstantin Heidrich, die Bratschistin Karolina Errera, die Geigerin Larissa Cidlinsky und die Pianistin Annika Treutler. Die Abendsonne leuchtet durch die Blätter, ich bin als Veranstalterin und als Journalistin selbstverständlich völlig objektiv, wenn ich schreibe: Sie haben gespielt, als hätten Haydn, Schumann, Mendelssohn, Schostakowitsch, Barrière, Kowalski die Musik extra für diesen Abend erfunden. Schade, dass wir keine Kritiker eingeladen haben. Foto: Felix Broede

Die Autorin singt nicht. Foto: Felix Broede

Ein Gedanke zu “Das Konzert

  1. Liebe Carolin, Dein Artikel in der SZ ist schlichtweg: wunderbar!
    So detailliert beschrieben, als ob ich dabei war….Hut ab für Dein Engagement. Die Wortwahl: Empathiereserven die sich relativ schnell erschöpfen hat mich auch in anderer Hinsicht berührt ( Du weißt, was ich meine..)Mach weiter so, große Wertschätzung meinerseits!
    Mit sonntäglichen Grüßen,
    Eva

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